Entwicklung der Samenkapsel

Nach der Bestäubung der Blüte beginnt das lange Warten und Mitfiebern bei der Ausbildung der Samenkapsel. Leider kann während der nächsten Wochen und Monate eingiges schiefgehen. Genaueres dazu siehe unten. Die Reifezeit von Samenkapseln variiert stark je nach Orchideen Art. So benötigt die Vanda Orchidee ganze 20 Monate für die Ausbildung der Samen. Gott sei Dank sind Phalaenopsen da nicht so langwierig. Die Entwicklung der Samenkapsel bei nicht-farbigen (weißen) Phalaenopsis Orchideen dauert nur ca. 6 Monate. Bei farbigen Phalaenopsis Orchideen können es jedoch über 8 Monate sein. Daher heißt es jetzt Geduld haben....


Die erfolgreiche Bestäubung der Phalaenopsis Blüte ist nach wenigen Tagen durch ein Vertrocken der Blütenblätter sowie durch das Anschwellen des Fruchtknotens und der Narbe erkennbar. Das Bild links wurde ca. 8 Tage nach der Bestäubung aufgenommen. Es ist ein leichtes Anschwellen des Fruchtknotens zu sehen. Sind diese Symptome 2 Wochen nach der Bestäubung nicht zu erkennen, so hat diese nicht funktioniert. Das ist leider häufig der Fall.


Nach 2 Monaten ist eine deutliche Ausbildung der Samenkapsel zu erkennen. Diese zeigt eine gesunde und kräftige gründe Farbe. Leider passiert es häufig, das die Samenkapsel während der Reifezeit braun-gelblich wird und verschrumpelt. In diesem Fall sollte sie mit einem scharfen, sauberen Messer am Blütenstiel abgeschnitten werden. Auch in diesem Fall ist etwas bei der Bestäubung oder auch bei der Befruchtung schief gegangen.


Das Ende der Reifezeit ist durch eine Braunfärbung sowie durch das Vertrocknen der Kapsel erkennbar. Hier gilt es nun den richtigen Zeitpunkt der Ernte zu erwischen. Schneidet man die Kapsel zu früh ab, so kann es sein, dass sie keine oder nicht keimfähige Samen enthält. Wenn man jedoch wartet bis sie von alleine aufplatzt, so sind die Samen nicht mehr steril und müssen nachträglich für die Aussaat sterilisiert werden. Ich entnehme die Samen immer unsteril und sterilisiere sie im Nachhinein. Das ist zwar etwas mehr Aufwand, dafür hat man aber die Garantie, dass die Samen voll keimungsfähig sind.


Für das Öffnen der Kapsel eignet sich ein scharfes Skalpell sehr gut. Dabei schneidet man am besten einzelne Längsstreifen von der Kapsel ab, sodass man Zugriff auf die darin liegenden Samen erhält. Die Samen sind in watteartigen Fasern eingebettet und liegen sehr dicht gepackt in der Kapsel vor. Daher eignet sich eine Pinzette gut um sie zu entnehmen. Da die Samen winzig klein sind sollte man die Arbeitsfläche mit Allufolie oder einem Tuch auslegen und bestensfalls nicht atmen :). Nun trennt man vorsichig die Samen von der Watte und sammelt diese in einem Gefäß. Eine einzige Samenkapsel kann bis zu mehrere Hunderttausend Samen enthalten. Diese sind mit dem Auge gerade noch sichtbar und sehen aus wie Staubkörner.


Hier zu sehen ist eine vollständig entleerte Samenkapsel. Es sind nur noch Reste der Watte zu erkennen. Leider muss ich anmerken, dass ich schon öfters optisch einwandfreie Samenkapseln hatte, die nach dem Öffnen nur Watte aber keine Samen enthielten. Woran das liegt ist schwer zu sagen. Ich vermute, dass hier bei der Befruchtung etwas schief gelaufen ist. Leider lässt sich eine erfolgreiche Befruchtung erst nach dem Öffnen der Kapsel, also nach einem halben Jahr feststellen.


Die entnommenen Samen sollten bis zum Sterilisieren und Aussähen möglichst trocken und kühl gelagert werden. Ich fülle diese meistens in ein 1.5ml Eppendorf Gefäß und gebe dieses dann in ein Gefäß mit Silikagel Kügelchen. Das organge gefärbte Silikagel ist stark wasseranziehend und zeigt bei zu hoher Luftfeuchte einen Farbumschlag nach grün. Alles zusammen lagere ich im Kühlschrank bei 8°C. Obwohl man oft liest, dass die Samen nur wenige Monate so gelagert noch keimfähig sind, habe ich selbst nach 2 Jahren Lagerzeit noch eine Keimung der Samen erziehlt


Im nächsten Artikel werde ich erklären wie man eine sterile Werkbank selber baut, da ohne diese das Aussähen der Orchideen Samen nicht möglicht ist. Also bis bald...

 

Nachtrag: 

 

Hier habe ich am 13.03.18 eine Kreuzung zwischen einer normalen gelben Phalaenopsis aus dem Baumarkt und einer Phalaenopsis equestris durchgeführt. Da beide Pflanzen eine völlig unterschiedliche Blüten Morphologie haben, war ich zunächst sehr überrascht, das sich überhaupt eine Samenkapsel ausgebildet hat. Nach ca. 3 Monaten konnte ich allerdings eine starke gelb Verfärbung der Samenkapsel feststellen (siehe Bild links). Da nach 3 Monaten definitiv noch keine vollständige Ausbildung der Samen stattgefunden hatte, war mir klar, dass die Befruchtung wohl doch nicht funktioniert hat. In diesem Fall hat die Pflanze das wohl nicht sofort bemerkt und trotzdem eine Kapsel ausgebildet. Beim öffnen der unreifen Samenkapsel enthielt diese, wie befürchtet, leider nur Watte und keine Samen (siehe Bild rechts). Das hier ist also ein gutes Beispiel für eine missglückte Kreuzung. 


Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Doreen (Mittwoch, 07 November 2018 15:33)

    Genau die beiden im Nachtrag genannten Pflanzen, habe ich soeben auch befruchtet, allerdings umgekehrt. Mal schauen, ob sich daraus eine Kapsel mit Samen bildet.

  • #2

    Sandra (Freitag, 21 Dezember 2018 15:39)

    Mittlerweile habe ich zwei weitere Kreuzungen mit einer Phalaenopsis und einer P. equestris durchgeführt. Beide Kreuzungen haben funktioniert und keimfähige Samen ausgebildet. Also nie die Hoffnung aufgeben ;)