Bau einer Sterilbank

Orchideensamen besitzen im Vergleich zu vielen anderen Samen wie Sonnenblumenkerne kein Nährgewebe, welches die nötige Energie für die Keimung liefert. Daher keimen Orchideensamen in der Natur nur in Symbiose mit einem Mykorrhiza Pilz. Dieser versorgt die Keimlinge mit Nährstoffen für das Wachstum. Da ein solcher Pilz jedoch sehr schwer zu isolieren und kultivieren ist, verwenden Orchideenzüchter Nährmedien als Alternative. Diese enthalten alle lebensnotwendigen Nährstoffe und Hormone, welche die Samen zur Keimung und für das Wachstum benötigen. Die Nährmedien werden immer mit einem Geliermittel genannt Agar-Agar versetzt, welcher sich durch Erhitzten löst und beim Abkühlen für das Festwerden des Nährmediums sorgt. Auf den so hergestellten Nährböden werden die Samen anschließend ausgebracht und zur Keimung angeregt. Nun ist es jedoch so, dass diese Nährböden auch ideale Bedingungen für das Wachstum von Schimmelpilzen bieten. Genauso wie viele Lebensmittel bei längerer Lagerung verschimmeln, würde ein Nährboden, der in Kontakt mit normaler Raumluft kommt, schon nach 3 Tagen flächendeckend Schimmel aufweisen. Dass liegt daran, das in der normalen Raumluft viele winzig kleine Schimmelpilzsporen rumfliegen, die für das menschliche Auge nicht sichtbar sind. Um nun zu verhindern, dass unsere kostbar gewonnenen Orchideensamen sofort von einem Pilz überwuchert werden, muss bei der Aussaht unbedingt steril gearbeitet werden. Dafür benötigt man eine Sterilbank, welche die Schimmelsporen aus der Raumluft herausfiltert. Wie man diese selber bauen kann seht ihr hier:

Das Herzstück einer jeden Sterilbank ist der Luftfilter, welcher aus vielen aufgefalteten Lamellen besteht. Das Filterpapier besitzt eine so kleine Porengröße, dass Pilzsporen nicht in der Lage sind dieses zu passieren. Somit wird Luft, welche durch das Filtermaterial gepresst wird, von Pilzsporen befreit. Um die Luft durch den Filter zu pressen ist ein Rotor notwendig. Ich habe zunächst einen Dyson Staubsaugermotor verwendet. Auf Grund des hohen Geräuschpegels, sowie der sich immer mehr erhitzenden Luft, habe ich mich letztendlich jedoch für eine Lüfter Turbine entschieden. 

Hier zu sehen sind die feinen Lamellen des Luftfilters sowie die Seitenansicht der Sterilbank (siehe unteres Bild). Prinzipiell gibt es verschiedene Arten von sterilen Werkbänken. Eine Sterilbank mit geringer Sicherheitsstufe ist so konstruiert, dass die Luft angesaugt, gefiltert und mit hohem Druck vorne bei der Arbeitsfläche hinausgepresst wird.

 


 

Dieses System ist bei sterilen Werkbänken mit höherer Sicherheitsstufe etwas modifiziert. In diesem Fall gerät die in der Sterilbank befindliche Luft nicht in Kontakt zur "kontaminierten" Raumluft außerhalb der Sterilbank. Die Luft in der Sterilbank zirkuliert also durchwegs im Gehäuse und wird wieder und wieder gefiltert. Somit ist die Wahrscheinlichkeit, dass Pilzsporen aus der Raumluft in die Sterilbank gelangen noch geringer. 

Schön zu sehen ist das Prinzip der Luftfilterung hier auf dem Bild. Die Luft wird durch die Bodenplatte abgesaugt, wandert im Boden der Sterilbank in Richtung des Gebläses, wird dort durch den Sterilfilter gepresst und kommt frei von Sporen wieder in den Arbeitsbereich. Das hört sich zwar alles ganz toll an, leider habe ich beim Bau der Sterilbank jedoch den Fehler gemacht, die Bodenplatte im Arbeitsbereich zu weit nach außen zu setzten. Durch den starken Sog des Rotors wurde mir damit leider die Luft von außen in den sterilen Arbeitsbereich hinein gesaugt. Was natürlich fatal ist. 

Um nicht eine neue Arbeitsplatte kaufen zu müssen, habe ich daher den kompletten vorderen Arbeitsbereich mit einer Plexiglasscheibe abgedichtet. Diese ist links und rechts mit zwei Metallschienen befestigt (siehe Pfeile), sodass sie sich per Hand nach oben und unten schieben lässt. Zwei Löcher mit dem Durchmesser meiner Oberarme ermöglichen das Arbeiten unter der Sterilbank. Zusätzlich habe ich oben und unten die Plexiglasscheibe noch mit einem Klebeband abgedichtet.  

Hier seht ihr ein Bild von der Sterilbank aus der Rückansicht. Alle Schnittkanten wurden von innen mit Silikon abgedichtet. Auch die Öffnung in der Rückwand für das Kabel.

 

Um zu verhindern, dass der HEPA Luftfilter irgendwann verstopft und dicht macht, habe ich in der Bodenplatte noch einen Vorfilter verbaut (nicht auf den Fotos zu erkennen). Dabei handelt es sich um einen normalen Filter für Dunstabzüge. Dieser soll gröbere Partikel aus der Raumluft bereits einmal vorfiltern. 

Hier findet ihr die genauen Maße der Sterilbank, dargestellt in Seitenansicht. In Summe muss ich sagen, dass meine Nährböden selten Kontaminationen aufweisen. Wodurch ich mal behaupten würde, dass die Konstruktion so wie oben beschrieben, gut funktioniert. Natürlich muss man vor Gebrauch der Sterilbank diese mindestens 20 Minuten, besser ein halbe Stunde, laufen lassen. Um bakterielle Kontaminationen auszuschließen, müssen alle Innenflächen des Arbeitsbereiches flächendeckend mit 70% Isopropylalkohol oder Ethanol desinfiziert werden. Weiterhin darf nur mit desinfizierten Handschuhen gearbeitet werden. Beachtet man all diese Dinge, steht dem sterilen Arbeiten Zuhause nichts im weg =D

 

Noch ein Tipp am Rande: Wenn man überprüfen will, ob das Luftzirkulationssystem funktioniert und wirklich keine Luft von außen hineingesaugt wird, ist ein Rauchtest sehr hilfreich. Haltet dazu einfach ein Räucherstäbchen vor die Öffnung der Plexiglasscheibe. Wird der Rauch nicht hineingezogen, funktioniert die Sterilbank. 

 

Hier noch die Herstellerangaben:

Produkt Hersteller Preis
 

Schwebstofffilter HS-Mikro RF, E11 Gr. 305x610x150 

Luftfilterbau GmbH  65,30€
8130:Lüfter 150mm Turbine M  dalap GmbH 64,10€

 

Das Gehäuse der Sterilbank besteht aus Holzplatten die in jedem Baumarkt erhältlich sind. Wichtig ist nur, dass die Holzplatten eine Beschichtung haben um die Oberfläche gut desinfizieren zu können. Um den Zuschnitt zu minimieren wurden die Maße der Sterilbank den erhältlichen Plattengrößen angepasst. Bei der Lampe handelt es sich um eine normal Leuchtstoffröhre. Das Gitterblech auf der Bodenplatte der Arbeitsfläche ist ebenfalls im Baumarkt erhältlich. 

 

Im nächsten Artikel gehe ich kurz auf die Herstellung von sterilen Nährböden ein. Dies ist eigentlich nicht sonderlich schwierig aber man benötigt doch einige Utensilien....

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Kommentare: 1
  • #1

    René (Samstag, 29 Juni 2019 13:15)

    Hallo Sandra,

    ich finde deine DiY Anleitung für die Sterilbank sehr hilfreich. Ich möchte mir auch bald eine bauen für die Orchideen-Zucht.
    Hinsichtlich deines Problems mit dem Sog und der Plexiglasscheibe hätte ich einen kleine Tip für Dich. Ich würde mir eine etwas stärkere Acrylglas-Platte (ab 5mm - 8mm) kaufen. Die bekommt heutzutage schon gleich auf Maß per CNC zugeschnitten, wobei man auch Bohrungen und Löcher mitbestellen kann. Für diese Größe schätz ich mal für 80 - 150€. Zwischen der Oberkante deiner Box und der Acryl-Glas-Platte würde ich ein Bandscharnier einbauen, zum hochklappen. Auf die Acrylplatte würde ich dann an der Außenkante ein Magnetklebeband kleben und ein entsprechendes Edelstahlblech Gegenstück auf der Stoßkante deines Kastens. Der Megnetstreifen muss aber bündig mit den Stoss-Kanten deines Kastens abschließen, denn: Direkt neben den Magnetstreifen musst Du noch an alle Seiten der Acrylglas-Platte Dichtungsband kleben. Die gibt's in versch. Stärken und sind aus PU-Schaum. Das dürfte schon reichen. Wenn Du aber auf Nummer sicher gehen willst, würde ich auf den Anschlag des Dichtungsbands vom Acrylglas noch einmal eine Reihe Dichtungsband in deinen Kasten kleben. Im Schnitt hättest somit eine L-Förmige Fuge, wodurch kein Luft mehr durchtreten kann. Auf eine ähliche Weise würde ich dann noch 2 lange Haushalts-Gummi-Handschuhe direkt in die großen Löcher der Acryl-Glasscheibe einkleben sowie einen kleinen Griff unten an die Acrylplatte kleben. Und das war's, alles luftdicht und kein gefummel oder verklemmen beim hochschieben.