Optimierung der Kulturbedingungen

Ich habe im Internet bei Recherchen immer wieder gelesen, dass beim Schritt der Akklimatisierung der Jungpflanzen ein Großteil  auf der Strecke bleibt. Daher habe ich gleich zu Beginn versucht möglichst viele meiner Protokorme aufzuziehen. Meine Überlegung war, dass ich somit genug Pflänzchen für Akklimatisierungsversuche zur Verfügung habe.

 

Akklimatisierung ist der Schritt, an dem man die Pflanzen aus dem sterilem Gefäß entnimmt und in einen Topf mit Orchideensubstrat setzt. Durch die sich ändernden Luftfeuchtebedingungen sowie dem plötzlichen Kontakt mit Schimmelsporen und Bakterien aus der Umgebung sind die Jungpflanzen schlagartig einem enormen Stress ausgesetzt.

 

Hier ein paar Bilder zu meinem damaligen Bestand. Ich habe zu dem Zeitpunkt 442 Jungpflanzen gezählt.

 

Wie auf diesen Bildern zu erkennen ist, habe ich zwei Optimierungen bei den Kulturbedingungen vorgenommen:

 

 

  • Künstliches Licht als Sonnenlicht Ersatz

Da ich nicht über so viel Platz auf der Fensterbank verfüge, habe ich meine Kulturen unter künstlichem Licht kultiviert. Dazu habe ich obiges Gehäuse (siehe Foto) aus Pressspanplatten vom Baumarkt zusammengebaut und darunter meine Kulturen gestellt. Die Innenseiten sind mit zerknüllter Allufolie ausgekleidet um das Licht besser zu brechen. Bei der Lampe handelt es sich um eine FLUORA Leuchtstoffröhre von Osram (L36W/77). Diese gibt es schon für wenig Geld im Internet oder im Baumarkt zu kaufen. Wie zu erkennen ist, erscheint das Licht dieser Lampe für das menschliche Auge rötlich. Das bedeutet, dass diese Lampe vor allem Licht im roten Wellenlängen Bereich erzeugt. Damals wusste ich es nicht besser, heute bin ich allerdings schlauer. So habe ich nach einiger Zeit festgestellt, dass die Pflanzen unter diesen Lichtbedingungen ebenfalls einen sehr hohen Rot-Pigment Anteil in den Blättern entwickeln. Somit sahen die Blätter nicht grün sondern rötlich aus. Weiterhin ist mir aufgefallen, dass die Blätter sehr schmal und länglich waren. Was darauf zurückzuführen ist, dass sie zu wenig Licht oder Licht der falschen Wellenlänge ausgesetzt waren. Ich empfehle daher, noch zusätzlich eine Daylight (Tageslicht) Lampe von Osram zu verwenden. Die Kombination aus beiden Leuchtstoffröhren bietet optimale Bedingungen für die Jungpflanzen. Nach wenigen Monaten adaptierte sich die Pflanze an das neue Lichtspektrum und die Blätter wiesen eine kräftige grüne Farbe auf.

 

 

  • Größere Kulturgefäße mit Wattestopfen für den Gasaustausch

 

Da die Pflänzchen nach einigen Monaten zu groß für die Petrischale wurde, habe ich sie in sterile größere Gefäße umgelegt. Im Deckel dieser Gefäße habe ich ein Loch gebohrt und ein Stück Schaumstoff durchgequetscht. Diesen Schaumstoff erhält man ebenfalls in jedem Baumarkt. Meist sind es große 60x60 Schaumstoffplatten die man dann per Hand auf die richtige Größe zuschneiden muss. Die Schaumstoffplatte sollte aus Polyurethan bestehen. Durch die relativ feinen Poren des Schaumstoffes können keine Schimmelpilzsporen ins Innere der Kultur gelangen. Dennoch ist er durchlässig für Gase und ermöglicht so einen geregelten Gasaustausch innerhalb des Kulturgefäßes. Als Kulturgefäß kann man auch ganz einfach Einmachgläser für Marmeladen, Essiggurken, Rote Bette ... verwenden. Das Loch in den Deckel bekommt man am einfachsten, wenn man zuerst mit einem Hammer auf einen spitzen Gegenstand schlägt und dann das Loch im Deckel mit einem Akkuschrauber erweitert.

 

 

Natürlich hat alles absolut steril zu erfolgen. Dazu wickle ich die zugeschnittenen Schaumstoff Stücke in Alufolie um sie dann später zusammen mit den Kulturgefäßen zu autoklavieren. Dann schätze ich ab, wie viel Nährboden Flüssigkeit ich pro Kulturgefäß benötige und berechne daraus die entsprechende Menge Agar-Agar pro Gefäß. Diesen gebe ich dann in jedes einzelne Gefäß. Anschließend bereite ich den Nährboden für alle Kulturgefäße in einem Becher vor (natürlich ohne Agar-Agar) und verteile diesen dann in die Kulturgefäße. Diese Methode hat sich bewährt, da sich der Agar-Agar nicht in kaltem Wasser löst und somit gewährleistet wird, dass in jedem Gefäß die benötigte Menge Agar-Agar ist. Abschließend autoklaviere ich die Gefäße, die Deckel und den eingepackten Schaumstoff im Schnellkochtopf. Nach dem Autoklavieren öffne ich den Schnellkochtopf unter der Sterilbank und drehe die Watte von innen nach außen durch das Loch im Deckel (siehe Pfeil auf Bild). Nun muss man nur noch warten, bis der Nährboden abkühlt und fest geworden ist und anschließend den Deckel des Kulturgefäßes nochmals mit einer Schicht Parafilm abdichten. 

 

Natürlich habe ich einen Versuch durchgeführt um herauszufinden, wie lange meine Pflänzchen ohne Sauerstoff im Glas durchhalten. Dazu habe ich sie in einem verschlossenen und abgedichteten Marmeladenglas kultiviert. Das Resultat war ziemlich eindeutig. Selbst nach Monaten sahen die Pflänzchen immer noch gleich aus. Sie zeigten weder ein Wachstum noch jegliche sonstige Veränderung. Kurz gesagt, sie waren wie konserviert. Das zeigt, dass der Schaumstoff im Deckel der Kulturgefäße tatsächlich wichtig für den Gasaustausch ist.

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