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Dritter Akklimatisierungsversuch - Sphagnum Moos als Substrat

Im Internet liest man immer wieder von Sphagnum Moos als Substrat für Orchideen und auch im Baumarkt sind die kleineren Orchideen oft in Sphagnum Moos getopft. Daher habe ich mir auf E-bay bei Garten&Orchideen einen 500g Sack lebendes Sphagnum Moos für 6,95€ bestellt. Als dieser wenige Tage später ankam, habe ich zunächst nur die grünen Spitzen des Mooses abgezupft und in ein 30 Liter Nano Cube Aquarium mit Wasser gegeben. Zusammen mit einem Schuss Dünger ist das Moos darin prima weiter gewachsen. Somit hatte ich immer frisches Sphagnum Moos für meine Akklimatisierungsversuche zur Verfügung.

 

(Das Foto erscheint etwas rötlich, da das Moos ebenfalls aus  Platzmangel,  unter künstlichem Licht gehalten wurde).

 

Bei meinen ersten Versuchen mit Sphagnum habe ich die Pflänzchen einfach in ein Marmeladenglas mit lebenden Sphagnum Moos getopft. Um die  Luftfeuchtigkeit ähnlich hoch zu halten wie zuvor in Sterilkultur, habe ich die Gefäße unter die Gewächshaushaube gestellt und im Wannenboden etwas Wasser eingefüllt. Außerdem erhoffte ich mir, das Moos so auch am Leben zu halten. 

 

Leider haben meine Pflänzchen die dauerhaft hohe Feuchtigkeit, welche vor allem durch das Sphagnum Moos bedingt war, nicht so gut vertragen. So konnte ich schon nach wenigen Wochen Wurzelfäule bei all meinen Orchideen feststellen. Außerdem hatte ich in fast all meinen Kulturen nach einiger Zeit massives Schimmelwachstum. Das Moos hingegen, hat sich über die hohe Luftfeuchte sehr gefreut und ist munter gewachsen.  Hier ein paar Bilder zur Wurzelfäule. 

 

Am einfachsten erkennt man Wurzelfäule daran, dass die Wurzeln hellgrün bis weißlich werden und sich mit dem Finger einfach zerdrücken lassen. Die Pflanzen sind dann nicht mehr zu retten und müssen entsorgt werden. Auf Grund dessen habe ich in einem zweiten Ansatz vertrocknetes Sphagnum Moos als Substrat für meine Orchideen verwendet. Dazu wurde das Sphagnum einfach mehrere Tage auf einem saugfähigem Tuch getrocknet, leicht zerrupft und dann als Substrat verwendet. Trotz des ersten, gescheiterten Versuches habe ich die Gefäße ebenfalls unter der Gewächshaushaube gehalten, um zumindest die Luftfeuchtigkeit hoch zu halten.  

Dieser Ansatz hat besser funktioniert als der vorherige mit lebenden Moos. Ich konnte bei keinem der Pflänzchen Wurzelfäule feststellen. Teilweise habe ich sogar ein Wachstum der Orchideenwurzeln beobachtet. Nichts desto trotz. kam es bei allen Kulturen letztendlich doch zum Wachstum von Schimmelpilzen. Eventuell hätten meine Pflänzchen diesen sogar tolleriert, jedoch standen die Kulturen in meinem Schlafzimmer und das Risiko einer Lungeninfektion war mir dann doch nicht den Spass wert. Ich vermute, die hohe Luftfeuchtigkeit hat das Wachstum der Pilze auf dem Sphagnum Moos gefördert.

 

Somit kam ich dann zu meinem dritten und auch letzten Versuch Sphagnum Moos doch noch als Substrat für meine Pflänzchen zu nutzen. Dazu habe ich nun eine Kombination aus den beiden bisher getesteten Substraten Seramis, Perlit und Sphagnum Moos ausprobiert. Perlit, mit seiner Drainagen Wirkung und hoher Wasserspeicherfähigkeit, habe ich als unterste Schicht verwendet. Darüber kam eine Schicht Seramis Substrat aus dem Baumarkt, auf welche die Pflanzen gesetzt wurden. Die Wurzeln der Pflänzchen habe ich mit halb lebenden Sphagnum Moos bedeckt. Die Kulturgefäße habe ich dieses Mal nicht unter die Gewächshaushaube gestellt, sondern gelegentlich mit Wasser besprüht. 

Diese Kulturen haben mehrere Monate überlebt. Zum Teil konnte ich auch etwas Wurzelwachstum der Orchideen feststellen. Nach wenigen Wochen ist jedoch das Sphagnum Moos vertrocknet. Daraufhin haben die Blätter der Orchideen langsam die Spannkraft verloren und sind schlapp und runzelig geworden. Letztendlich sind die Pflänzchen also auch vertrocknet. Ich habe sie dann irgendwann entsorgt, da ich diesem Leiden nicht länger zusehen konnte.

 

Nach diesem dritten, gescheitertem Versuch habe ich Sphagnum Moos als Substrat für meine Orchideen Babies entgültig verworfen und das restliche Sphagnum im Komposthaufen entsorgt.

 

Als Fazit aus all diesen Akklimatisierungsversuchen ziehe ich, dass kleine Orchideen Pflänzchen über einen sehr langen Zeitraum hinweg dahin sterben. Eine wirkliche Grenze zwischen lebenden Pflanzen und toten Pflanzen gibt es nicht. Vielleicht waren meine Pflänzchen auch noch zu klein um sie aus den sterilen Bedingungen auf Substrat umzusetzen. Daher habe ich die darauffolgenden Monate keine weiteren Versuche zur Akklimatisierung meiner Pflänzchen mehr durchgeführt und diese erstmal wachsen lassen...

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Kommentare: 4
  • #1

    Yvonne (Dienstag, 13 August 2019 21:42)

    Hallo,

    Ich habe gute Erfahrungen mit spaghnum Moos gemacht. Auch Thailand Importe funktionieren bei mir in diesem Moos.

    Ich kultiviere ausgeflaschte orchi baby's in Moos und Seramis. Das ganze in einer Plastik sprudelflasche die ich in zwei Teile geschnitten habe und als Gewächshaus verwende. Kein Schimmel, allerdings nicht zu oft sprühen.

    Diese wachsen und gedeihen am Küchen Fenster. Selbst ein gekipptes Fenster im Winter, ist kein Problem.

    Lg Yvonne

  • #2

    hamburgplanten (Mittwoch, 08 Januar 2020 20:48)

    Toller Beitrag über Sphagnum Moos, Sandra!

    Auch ich nutze das Moos viel für das Vermehren von Zimmerpflanzen und die Anzucht neuer Stecklinge. Die Erfolgsquote ist echt super. Das Moos macht die Anzucht super pflegeleicht und einfach.

    Viele Grüße aus dem Norden
    hamburgplanten
    https://www.hamburgplanten.de/sphagnum-moos/

  • #3

    Ashar Abdullah (Samstag, 09 Januar 2021 18:39)

    Liebe Sandra,
    ich finde deinen Beitrag ist sehr gut und informativ. Ich habe gelesen man kann mit Sphagnum Moos Orchideen kultivieren und wurde mich mit einer Kombination von Sphagnum Moos und klein körnige Blähton ausprobieren.
    Viele Grüße aus Aschaffenburg.
    Ashar

  • #4

    Anne (Dienstag, 23 März 2021 16:20)

    Hallo Sandra,

    das war ein spannender Beitrag! Vielen Dank dafür! Ich habe auch meine Versuche gemacht und möchte sie hier ebenfalls gern teilen. Vielleicht helfen sie dir oder jemand anderem.

    Eine meiner ältestens Orchideen (ca. 6 Jahre alt) hatte seit meinem letzten Umzug starke Probleme. Sie kam selbst nach 3 Jahren noch nicht mit den neuen Bedingungen klar und sah sehr zunehmend mickiger/kränklicher aus. Irgendwann hatte ich ihr dann auch mal frisches Seramissubstrat gegeben, aber es hat nichts genützt. Schließlich hat sie letztes Jahr ein Stielkindel ausgebildet, obwohl sie sehr schwach aussah und seit Jahren nicht geblüht hat. Ich hab dann viel nachgelesen und einige Youtubekanäle bemüht und bin schließlich zu dem Ergebnis gekommen, dass dies offenbar ihr letzter Versuch ist, ihre Art zu erhalten und anschließend zu sterben (die Blätter waren auch total dünn und runzelig geworden). In einem Video bin ich auf Spaghnummoos aufmerksam geworden. Der Orchideenspezi auf Youtube hatte wohl sehr gute Erfahrungen damit gemacht, insbesondere mit angeschlagenen Orchideen, weil das Spaghnummoos wohl dazu führt, dass viele neue Wurzeln entstehen.
    Ich habe also irgendwann das Stielkindel getrennt (hatte gelesen, dass die Wurzeln des Kindels so 2 cm lang sein sollen) und es in getrocknetes Spaghnummoos gepflanzt. Leider ist es aber nach kurzer Zeit gestorben. Die Mutterpflanze hat nach wie vor gelebt, aber hatte unverändert dünne und runzelige Blätter. Vor wenigen Wochen habe ich die Mutterpflanze in eine Mischung aus Substrat und Sphagnummoos gepflanzt. Dazu habe ich beides einfach wild durcheinander gemischt, weil ich es so ähnlich schon bei gekauften Orchideen gesehen habe. Seitdem entwickelt sich meine Orchidee sagenhaft. Die runzeligen Blätter sind wieder richtig fest und gesund geworden und es wächst sogar schon ein neues Blatt. Ich bin wirklich begeistert! :) Bei mir stehen die Orchideen übrigens einfach im Fenster, d.h. die Luftfeuchtigkeit ist nicht hoch. Vermutlich ist sie sogar recht niedrig, weil die Heizung direkt unter dem Fenster ist. Die Substrat-Moos-Mischung wässere ich ca. einmal in der Woche. Man merkt dann schon, dass es trocken ist. Ich vermute, dass mein Kindel einfach zu klein war und deshalb nicht überlebt hat.

    Viele Grüße
    Anne